Vor dir siehst du eine imposante, kantige Festungsmauer aus hellen Steinen mit einem kräftigen, hohen Turm und kleinen Fenstern - halte einfach Ausschau nach der mächtigen Burgmauer hinter dem Garten mit den roten Blumen, dann bist du am Ziel!
Stell dir vor, es ist das späte 13. Jahrhundert und allerhand königliches Getuschel liegt in der Luft: Genau hier, auf dieser kargen Anhöhe, beschließt ein gewisser Jacques II., frischgebackener König von Mallorca, sich ein Zuhause nach Maß zu bauen. Was braucht ein echter König? Genau: Einen Palast, der dem ganzen Adel den Atem raubt! Der alte Familiensitz der Grafen von Roussillon war ihm nicht prächtig genug - darum setzte er auf dem „Puig del rei“, dem „Königshügel“, einen gigantischen Palast, der seiner königlichen Fantasie keine Grenzen setzte.
Doch Vorsicht! Diese Festung sieht zwar wehrhaft aus, war aber vor allem königliche Bühne für Glanz, Macht und - ja, auch ein bisschen Familiendrama! Alles beginnt mit einem Erb-Streit unter den Söhnen des Königs Jakob I. von Aragon. Der Älteste kriegt sozusagen das große „Aragonien-Paket“, der Jüngere, also unser Jacques, die Balearen, Montpellier und hier das Roussillon. Klingt nach Jackpot, oder? Doch aus dem geteilten Glück wächst auch Misstrauen zwischen den Brüdern. Jacques will sich ein kleines Königreich aufbauen, doch der große Bruder verlangt Treue. Tja, manchmal ist die Familie eben das größte Abenteuer von allen!
Jetzt spitzt die Ohren, hier tobte nicht nur der Wind! 1285 zum Beispiel donnerte plötzlich die französische Armee vor die Tore, während in den Fluren noch über Erbfolgen getuschelt wurde. Der Plan: Mit voller Kraft gegen die Katalanen. Leider - oder zum Glück? - versagten die Franzosen auf dem Schlachtfeld, schleppten sich krank durch die Gänge und rollten bald wieder heimwärts. Inmitten dieser Wirren blüht Perpignan regelrecht auf: Stoffhändler, Gerber, Schreiber - und sogar berühmte Denker und Ärzte geben sich die Klinke in die Hand. In den Straßen wird geplaudert, gehandelt, und manchmal auch heimlich verhandelt, denn der mediterrane Handel zischt wie eine frische Sommerbrise durch die Stadt.
Der Palast ist dabei Zentrum von königlicher Macht, aber auch Ort der Begegnung. So klingt nicht nur Katalanisch, sondern auch Französisch, Arabisch und Hebräisch durch die Hallen. Im Thronsaal, der „Salle de Majorque“, thront Jacques, hält Rat, spricht Recht oder feiert einfach ausgelassen. Und willst du mal einen Blick in die königliche Kapelle werfen? Die ist ganz oben im mächtigen Turm versteckt und ist nicht nur gotisch, sondern auch kunstvoll mit arabischen Schriftzügen verziert - ein bisschen wie ein Palast aus „1001 Nacht“, nur im Mittelalter!
Doch wie das oft so ist: Die großen Familiengeschichten sind kurzlebig. Nach drei Generationen kommt ein geschickter Taktiker - Pierre IV. von Aragon - und macht dem Traum vom mallorquinischen Königreich ein Ende. Der letzte Versuch Jacque III., seine Krone zurückzuerobern, endet tragisch auf einem blutigen Schlachtfeld. Auf einmal weht ein anderer Wind durch diese Mauern: Aus dem Palast wird ein Bollwerk, später ein Arsenal und schließlich, unter Philipp II. von Spanien, eine echte Super-Festung gegen Frankreich. Die Mauern werden mit Zacken, Bastionen und Türmen verstärkt, ein Paradebeispiel für Festungsarchitektur der Renaissance. Und oben drauf kommt im 17. Jahrhundert noch Vauban, der Star der Festungsbaumeister, und gibt der Zitadelle den letzten Schliff!
Hast du Lust auf ein Mini-Rätsel? Versuch mal, dich gedanklich in den „Palais Blanc“ zu schleichen - da, wo früher der Thron leuchtete! Über dir knarren die Dielen, irgendwo tropft Wasser, und auf den Wänden glitzern noch Spuren einst bunter Malerei. Im Gegensatz zum martialischen Äußeren herrscht drinnen das Leben: Loggien, Balkone, Gärten - hier wurde gesungen, getratscht, gestritten und gefeiert.
Und weißt du, was das Beste ist? Der alte Palast, längst zum „Donjon der Zitadelle“ abgestempelt und mit wilden Gärten zugewachsen, war beinahe vergessen - bis ein paar hartnäckige Hobby-Historiker lautstark protestierten. Deshalb wurde der Palast 1875 unter Denkmalschutz gestellt und blieb erhalten, als die Stadtmauern ringsherum dem Vorschlaghammer zum Opfer fielen. Nach ein paar Jahren als Lager und Gefängnis kam dann endlich die Renaissance: Heute kannst du durch diese Hallen wandeln wie eh und je, den Hauch von Macht und mediterranem Multikulti genießen und, wenn du genau hinhörst, vielleicht das Echo königlicher Feste aufschnappen - oder wenigstens das Geräusch eines alten Echos, das in den Gewölben nachhallt.
Also, mein Tipp fürs Finale: Dreh dich um, atme tief durch - und stell dir vor, wie vor Hunderten von Jahren das Schicksal von Königen, Völkern und Liebenden genau hier zwischen Sandstein, blühenden Gärten und zugigen Gängen entschieden wurde. Wer hätte gedacht, dass ein Palast mit solch dicken Mauern so viele wundersame Geschichten ummauert?



