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Station 9 von 16

Église Saint-Jacques de Perpignan

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Église Saint-Jacques de Perpignan

Direkt vor dir siehst du ein imposantes, mittelalterliches Kirchenportal aus weißem Céret-Marmor mit einem eleganten Rundbogen, das sich deutlich von der groben Steinmauer abhebt - halte einfach Ausschau nach diesem großen steinernen Tor mit seinen massiven Holztüren, dann bist du richtig!

Na, hast du schon diese majestätische Tür bewundert? Fast als wäre sie der VIP-Eingang zu einer jahrhundertealten Zeitmaschine! Willkommen an der Kirche Saint-Jacques, einer der bedeutendsten spirituellen Orte Perpignans - ach, was sage ich, fast so berühmt wie die Kathedrale selbst… nur ein bisschen bescheidener und mit einer richtig spannenden Geschichte im Gepäck.

Stell dir vor, du stehst hier in den Jahren um 1260 - die Luft riecht nach frischem Holz der Baugerüste, Hämmer pochen, und aus den noch offenen, staubigen Gassen hört man das Murmeln der Stadt. Der König höchstpersönlich, Jacques I. von Aragón - ja, der mit dem tollen Beinamen „der Eroberer“ - beschließt, die Stadt auszubauen. Und wo eine neue Kirche steht, ist das Viertel nicht weit! Also, schwupps, lässt er auf seinem eigenen Land diese Kirche errichten. Damals stand sie ganz frech außerhalb der Stadtmauern - quasi das rebellische Teenager-Alter einer Kirche, bevor die Mauern erst Anfang des 14. Jahrhunderts ganz fertig waren.

Hier, wo du gerade stehst, wanderte einst der allererste Pfarrer, Père d’Oms, mit feierlichem Schritt hinein. Er war nicht nur der Seelsorger, sondern auch ein großzügiger Sponsor - gemeinsam mit dem König legte er bei der Finanzierung Hand (und Geldbeutel!) an. Damals gab es nur diese lange, einzige Kirchenschiff-fünf Gewölbe lang, garniert mit Seitenkapellen, die auf der Nordseite sogar tiefer gezogen sind als auf der Sonnenseite, dem Süden. Apropos Sonnenseite, da hast du vielleicht ein leises Flüstern von Gartenarbeit gehört - kein Wunder, denn die Gärtnerzunft hat nicht nur fleißig gepflanzt, sondern auch kräftig gespendet: Ihre Kapelle bekam eine Polygone-Abside im Jahre 1399, verziert mit ihrem Wappen - einem fruchtbehangenen Baum, wie passend!

Doch hier ruht nicht alles friedlich: Die Tuchmacher wollten natürlich nicht hinter den Gärtnern zurückstehen und bauten zur gleichen Zeit ihre eigene Kapelle südlich vom Chor. Konkurrenz gab’s schon immer! Und dann die berühmte Confrérie de la Sanch - eine Bruderschaft, die für die große Karfreitagsprozession verantwortlich ist. Ihre eigene Kapelle wurde an die Westseite angelehnt, inklusive einer Kuppel. Die war offenbar etwas schüchtern und kippte 1710 einfach um - tja, Baumeister waren eben auch nur Menschen. Erst 1742 war alles wieder geweihte Sache!

Jetzt rate mal, was nach der Revolution passierte: Die Mauer, die die Kapelle der Sanch vom Rest der Kirche trennte, wurde kurzerhand entfernt. Heute kann man deshalb zwei prächtige Altäre sehen, die sich fast wie zwei Rivalen gegenüberstehen. Wer Sieger wird? Das ist Geschmackssache!

Im Inneren der Kirche erwartet dich nicht nur das wunderschöne Kirchenschiff, sondern auch versteckte Schätze an den Seitenaltären: echte Kunstwerke, wie der prächtige Rosenkranzaltar aus geschnitztem, bemaltem Holz - einst von einem Künstler namens Llàtzer Tremullas geschaffen. Auch der Altar des heiligen Ferréol wurde von einem Honorat Rigau gestaltet - klingt fast nach einem Zauberduell, oder? Und hast du schon vom Liborius-Altar oder dem Retabel der armen Seelen im Fegefeuer gehört? Jeder einzelne erzählt seine eigene kleine, glitzernde Geschichte.

Kunst gibt’s hier nicht nur für die Augen, sondern auch für deine Ohren: Zwischen 1808 und 1816 ertönte das Kirchengestühl unter dem Hammerschlag der Orgelbauer Grinda. Sie bauten ein Instrument, das fast so viele Register hat wie ein mittelalterlicher Marktschreier Ausreden. Hier erklingen fast drei Dutzend verschiedene Register auf drei Manualen, ganz stilecht, so wie sie es damals geplant hatten - keine moderne Verunstaltung trübt ihren historischen Klang. 1905 wurde sie liebevoll restauriert und klingt heute noch wie eine kleine Symphonie zwischen den alten Mauern.

Über dir, kaum sichtbar, stützen Diaphragmenbögen das Dach, auf dem heute zierliche Ziegelgewölbe von 1785 ruhen - eine raffinierte Täuschung, denn die ursprüngliche Holzkonstruktion wurde einfach hinter Ziegeln versteckt. Der Eingang - den du gerade bestaunst - ist übrigens aus feinstem weißen Céret-Marmor, wahrscheinlich im 17. Jahrhundert hierherverfrachtet, nachdem er von der Kirche La Réal abmontiert wurde; Recycling auf heilig!

Und wenn du denkst, das sei schon alles: Vielleicht hörst du noch die leisen Tritte der Karfreitagsprozession, für die diese Kirche als Start dient - eine jahrhundertealte, katalanische Tradition, so intensiv, dass sogar die Steine zu schweigen scheinen.

Seit 1987 steht dieses Wunderwerk übrigens unter Denkmalschutz - wohlverdient bei so einer Sammlung an Geschichten und Geheimnissen, findest du nicht? Apropos: Neugierig geworden auf mehr? Bereit zum nächsten Stopp?

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