Schau jetzt nach rechts: Zwischen den engen Häuserzeilen ragt der helle, barocke Glockenturm der Kirche San Juan hoch auf, mit einem großen Torbogen unten als Eingang.
Das ist die Iglesia de San Juan Bautista, und sie hat so eine dieser Biografien, bei denen du denkst: Eigentlich müsste sie längst müde sein, steht aber immer noch ziemlich aufrecht da. Nach der christlichen Eroberung Málagas 1487 setzten die Katholischen Könige hier sofort ein Zeichen: Vier neue Pfarreien sollten die Stadt kirchlich neu ordnen, und San Juan war eine davon. Das hier war damals kein schickes Zentrum, sondern ein dicht bevölkertes Viertel, das frühere Vorstädte der islamischen Stadt mit einsammelte. Kurz gesagt: sehr viel Alltag, sehr viel Leben, und mittendrin diese Kirche.
Am Anfang war San Juan eher gotisch geprägt: spitze Bögen, Pfeiler, dazu Mudéjar-Einflüsse, also diese typisch spanische Mischung aus christlicher Bauform und Handwerkstraditionen, die noch stark von Al-Andalus geprägt waren. Die erste Turmversion war 1543 fertig. Aber wie das so ist: Kaum steht etwas, wird schon umgebaut. 1554 ging’s richtig los, unter einem Bischof mit dem passenden Namen Bernardo Manrique, und der Dombaumeister Diego de Vergara mischte mit. Man riss Teile der Hauptschiff-Struktur ab, verlängerte die Kirche deutlich und ersetzte die spitzen Bögen durch rundere, „modernere“ Formen. Und über den heutigen Gewölben steckt bis heute eine ältere Mudéjar-Holzkonstruktion verborgen, wie ein gut gehütetes Geheimnis über deinem Kopf.
1620 kamen zusätzliche Bauteile dazu, doch dann schlug 1680 ein Erdbeben zu und warf den Turm um. Der neue Turm entstand in Etappen zwischen 1732 und 1776. Genau den siehst du hier: eine Turm-Pforte, die nicht nur nach oben will, sondern gleich auch den Eingang inszeniert. Unten der große Rundbogen, darüber diese klar gegliederten Abschnitte - fast so, als würde der Turm sagen: „Ja, ich bin Barock, aber ich habe meine Ordnung.“
Und dann die dunklen Kapitel. Am 12. Mai 1931, bei der sogenannten „Klosterverbrennung“, wurde auch San Juan attackiert. Innerhalb von Stunden war der Innenraum verwüstet. Skulpturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Gemälde, Prozessionskreuze, ein Teil des Archivs, das bis 1520 zurückreichte - vieles ging verloren. Als hätte das nicht gereicht, zerstörte 1980 ein Feuer in einer Kapelle weitere Figuren. Diese Kirche ist nicht nur gebaut worden; sie ist immer wieder neu zusammengesetzt worden, Stück für Stück, wie Málaga selbst.
Heute ist San Juan auch Cofradía-Territorium: Bruderschaften der Semana Santa haben hier ihre Heimat. Im Hauptbereich verehrt man den Cristo de la Vera Cruz, ein Werk, das bis an den Anfang des 15. Jahrhunderts zurückreicht. Und ja, sogar Antonio Banderas hat hier eine sehr reale Verbindung: Er ist seit Kindheitstagen Teil der „Fusionadas“ und trägt in der Karwoche Verantwortung rund um die Virgen de Lágrimas y Favores. In Málaga ist das keine Promi-Anekdote, das ist lokal gelebte Tradition.
Wenn du bereit bist: Zur Calle Marqués de Larios läufst du einfach 3 Minuten nach Osten.



