Links von dir siehst du einen großen, sandfarbenen Steinbogen mit einem schmiedeeisernen Tor darunter und dem Schild „MERCADO PÚBLICO“ ganz oben - das ist der Eingang zur Plaza de Abastos.
Wenn du hier stehst, wirkt das Ganze fast wie ein kleines Stadttor: kräftiger Stein, klare Linien, und dieser nüchterne Ansage-Ton im Schriftzug, als würde Cádiz sagen: „Hier wird nicht geflirtet, hier wird eingekauft.“ Der Markt wurde im 19. Jahrhundert geplant - vom Architekten Torcuato Benjumeda - als neoklassischer, viereckiger Bau mit dorischen Säulen, wie eine überdachte Plaza. Und das ist schon ein kleiner Zeitenwechsel: Der Platz liegt auf dem ehemaligen Garten eines Klosters der „Descalzos“, also der „Barfüßigen“ - religiöser Rückzug wurde zu öffentlichem Alltag. Möglich machte das die große Enteignungswelle kirchlichen Besitzes in Spanien in der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts. 1838 wurde der Markt eröffnet, und dann passierte… lange erstaunlich wenig. Ein Jahrhundert praktisch ohne große Verbesserungen - Cádiz ist charmant, aber manchmal eben auch geduldig bis zur Sturheit.
Erst Ende 1926 kommt Tempo rein: Der sevillanische Architekt Juan Talavera y Heredia startet eine große Umgestaltung. Politisch fällt das in die Ära von Bürgermeister Ramón de Carranza - wobei der eigentliche Plan schon vom Vorgänger Agustín Blázquez angestoßen war. Carranza drückt dann vor allem aufs Gas: schneller bauen, weniger Ärger, und bitte sauberer. Talavera behält die alten dorischen Säulen - etwa vier Meter hoch - und arbeitet sich von außen nach innen vor. Klingt glatt, war es aber nicht: Unter dem Baugrund lagen Zisternen, die noch benutzt wurden. Stell dir vor, du willst Fundamente gießen und findest plötzlich die historische Wasserversorgung, die noch „Hallo“ sagt. Baustelle mit Bremse.
Und dann der Hygiene-Plot-Twist: Man engagierte sogar einen Tierarzt, um Obst und Gemüse zu kontrollieren. Verkäufer mussten aus Schönheits- und Gesundheitsgründen weiße Kleidung mit Ärmelschützern tragen - was so sehr nach Vorschrift roch, dass Cádiz daraus einen Karnevals-Tango machte. Natürlich.
Im 21. Jahrhundert wurde dann nochmals kräftig modernisiert, inklusive Gastronomiebereich - heute ein Markt und nebenbei ein sehr überzeugender Grund, hungrig zu werden.
Wenn du bereit bist: Zum Turm Tavira gehst du in Richtung Nordosten, etwa 3 Minuten zu Fuß.




