Da ist es: das Schloss von San Sebastián. Sie stehen hier am Ende der langen Mole, und vor Ihnen sitzt die Festung wie ein sturer Wächter auf einem kleinen Felseninselchen vor La Caleta. Wenn der Wind salzig pfeift und die Wellen unten gegen die Steine klatschen, versteht man sofort, warum Cádiz genau hier einen Nordschutz brauchte.
Der Ort war schon spannend, bevor irgendjemand an Kanonen dachte. In der klassischen Überlieferung soll auf diesem Eiland ein Tempel für Moloch beziehungsweise Kronos gestanden haben - ein Name, der nach Opferrauch und alten Geschichten klingt. Jahrhunderte später, 1457, bekam die Insel eine sehr andere Art von Andacht: Seeleute eines venezianischen Schiffs, gerade erst von der Pest genesen, errichteten eine kleine Kapelle. Aus Dankbarkeit, aus Angst, wahrscheinlich aus beidem.
Dann wurde es militarisch. 1706 begann man mit dem Bau des heutigen Kastells: ein unregelmäßiger Festungsring, der die Stadtflanke decken sollte. Und mitten darin steht etwas, das technisch fast frech modern wirkt: der Leuchtturm. Er sitzt auf den Resten einer muslimischen Wachtturm-Basis und wurde 1908 als Eisenkonstruktion nach Plänen von Rafael de la Cerda errichtet - in Spanien ein Unikat. Er war außerdem der zweite elektrische Leuchtturm des Landes und ragt rund 41 Meter über den Meeresspiegel. 2017 hat man ihn gründlich restauriert; er sieht heute wieder so aus, als hätte er die Zukunft schon damals einkalkuliert.
Nicht alles hier war romantisch. 1811 kam der maltesische Seemann Juan Bautista Azopardo als Kriegsgefangener hierher und blieb bis 1815 - bis man eine Flucht befürchtete und ihn nach Ceuta verlegte. Kurz darauf saßen hier auch Aufständische aus Mittelamerika ein: De la Cerda und die Argüellos. Einer starb in Haft; zwei wurden später sogar politische Spitzenfiguren in Nicaragua. Von Festung zu Karriereleiter - ziemlich harsches Praktikum.
Seit 1860 verbindet die Mole die Insel mit der Stadt. Und weil Cádiz gern ein bisschen Kino spielt, diente die Silhouette als Kulisse: „Alatriste“ drehte hier 2005, und sogar James Bond ließ in „Die Another Day“ Action am Meer aufflammen. Heute ist es ruhiger - bis auf die Möwen. Die haben hier eindeutig das Kommando.



