Willkommen am Corso Vittorio Emanuele II, einer riesigen gepflasterten Allee, die von langen Reihen gewölbter Steinportiken gesäumt ist - durchgehende überdachte Gehwege, die direkt in die Architektur integriert sind und sich endlos in Richtung eines hoch aufragenden Denkmals in weiter Ferne erstrecken.
Bevor dies eine breite Durchgangsstraße wurde, war dieses Land vom Haus Savoyen geprägt, der historischen Königsfamilie der Region. Sie besaßen in der Nähe eine wunderschöne Sommerresidenz, das Schloss Valentino, und der weitläufige königliche Park, der es umgab, bestimmte vollständig die frühe Gestaltung dieses Gebiets. Die ersten Straßen hier waren nur bescheidene Kutschenwege, die dazu gedacht waren, sanft an den nördlichen Rändern dieser prachtvollen königlichen Gärten entlangzuführen.
Doch als die Stadt über ihre alten Grenzen hinauswuchs, griff eine großartige Vision Platz, die eine massive Welle der städtischen Expansion im 19. Jahrhundert auslöste. Diese gewaltige Straße wurde angelegt und erstreckt sich über unglaubliche 4,2 Kilometer quer durch die Stadt als kühnes, unübersehbares Symbol einer raschen Modernisierung. Sie verband den neuen Bahnhof mit dem Fluss und verwandelte ruhige Feldwege in eine elegante Arterie voller Geschäftsräume, die Turin in ein brandneues Industriezeitalter zog.
Wenn Sie weit die Allee hinunterschauen, können Sie das entfernte Denkmal entdecken, das uns vorhin aufgefallen ist. Das ist König Vittorio Emanuele II. Die Einheimischen nennen ihn liebevoll Barba Vigiu, oder Onkel Vittorio. Er thront auf einem schwindelerregenden 39 Meter hohen Sockel. Nun, der offizielle Grund für diese enorme Höhe ist tief ernst. Sein Sohn, König Umberto I., bezahlte dieses massive Bauwerk als moralische Entschuldigung gegenüber der Stadt. Turin war untröstlich, als Vittorios sterbliche Überreste in das Pantheon in Rom gebracht wurden, anstatt hier in der traditionellen Ruhestätte der Familie beigesetzt zu werden.
Die Menschen in Turin haben jedoch eine weitaus unterhaltsamere Theorie über diese hohe Statue. Der König war weithin berüchtigt für seine zahlreichen Affären. Unter den Bürgern verbreitete sich schnell das Gerücht, das Denkmal sei nur deshalb so lächerlich hoch gebaut worden, damit der steinerne König direkt durch die höchsten Dachfenster und unmittelbar in die Schlafzimmer der umliegenden Wohnungen spähen konnte.
Diese prächtige Allee offenbart eine Gesellschaft, die sich von privaten aristokratischen Grenzen entfernt und auf eine laute, tief vernetzte Zukunft zusteuert. Lassen Sie uns den Corso weiter entlanggehen in Richtung der ersten Anzeichen sozialer Reibung in dieser neuen Ära. Wir gehen zur Kirche San Giovanni Evangelista, nur drei Minuten zu Fuß entfernt, um zu sehen, wie die einfachen Menschen Fuß fassten, während sich ihre Welt rasant veränderte.



