
Suchen Sie nach dem Gebäude, in dessen einladendem Innenhof ein runder Steinbrunnen ruht, der von weiten, efeubewachsenen Rundbögen und massiven Glasfronten umrahmt wird.
Bibliotheken gelten oft als friedliche Orte, aber diese hier wurde aus purem Chaos geboren. Im Jahr achtzehnhundertzwei, während der französischen Herrschaft, ordnete Napoleon die Unterdrückung der religiösen Orden an. Klöster wurden gewaltsam geschlossen und jahrhundertealte Klosterbibliotheken wurden beschlagnahmt, wobei sie der echten Gefahr ausgesetzt waren, für immer verstreut oder einfach verbrannt zu werden.
Die Gründung dieser Bibliothek war also kein ruhiges Sammeln von Büchern, sondern eine verzweifelte Rettungsmission. Der damalige Bürgermeister Gerolamo Ricci D'Andonno nutzte seine guten Beziehungen zu den Franzosen, um den Präfekten davon zu überzeugen, dieses unersetzliche kulturelle Erbe nicht zu vernichten. In einer hektischen Aktion retteten sie etwa sechstausend Bände. Ironischerweise stopften sie diese hastig ausgerechnet in die Sakristei einer enteigneten Kirche, die so von einem heiligen Raum in ein säkulares Notlager verwandelt wurde.
Werfen Sie einen Blick auf Ihr Telefon. Dort sehen Sie diesen wunderbaren Innenhof mit dem Brunnen, der nach dem Umzug in dieses historische Terrakotta Gebäude aus dem siebzehnten Jahrhundert in den neunzehnhundertzwanziger Jahren angelegt wurde.

Diese ständige Bedrohung der Zerstörung prägte den Geist dieses Ortes. Im neunzehnten Jahrhundert verbrachte der Historiker Sebastiano Maccario seine Tage damit, alte Manuskripte zu entschlüsseln. Er bewachte die seltenen Dokumente so besessen, dass er zögerte, sie selbst Experten zu zeigen, aus purer Angst, sie könnten beschädigt werden. Und während des Zweiten Weltkriegs, als Cuneo das Herz des partisanischen Widerstands war, standen die Bibliothekare förmlich im Kreuzfeuer. Sie trotzten ständigen Bombenangriffen und versteckten heimlich Bücher, die das Regime als subversiv, also als staatsfeindlich, einstufte, um sie vor der Vernichtung zu bewahren.
Schauen Sie sich das zweite Bild in der App an. Diese riesigen Archive beherbergen heute über dreihundertdreißigtausend Bände. Darunter befinden sich Inkunabeln, also extrem seltene frühe Druckwerke aus der Zeit vor fünfzehnhundert, die genau aus jenen geretteten Klöstern stammen. Forscher fanden in diesen alten Seiten handschriftliche Notizen der Mönche und sogar Wachstropfen von Kerzen, die bei der nächtlichen Lektüre vor Jahrhunderten auf das Papier fielen.

Die Bibliothek ist montags und sonntags geschlossen, öffnet aber an den meisten anderen Tagen gegen halb neun morgens ihre Türen für neugierige Leser. Nachdem wir nun die Bewahrung des menschlichen Wissens erkundet haben, lassen Sie uns die Bewahrung des menschlichen Lebens entdecken, und gehen wir hinüber zum Diözesanmuseum San Sebastiano, das nur zwei Gehminuten entfernt ist.



