
Diese blasse Steinfassade fasziniert mit ihrer leicht nach innen gewölbten Form, den eleganten Halbsäulen und den massiven, kunstvoll geschnitzten Holztüren. Das ist die Kirche Santa Chiara, ein echter Überlebenskünstler aus Stein, der uns zeigt, wie sehr das Gesicht dieser Stadt durch das Ringen zwischen Verfall und Rettung geformt wurde.
Schon im Jahr 1228 stand hier ein Kloster, doch dieses elegante Gebäude wurde ab 1718 völlig neu errichtet. Damals war es ein blühender Ort, der die Töchter der einflussreichsten Familien Cuneos aufnahm.
Schauen Sie sich die Fassade einmal genauer an... bemerken Sie, wie die beiden schrägen Außenlinien diese auffällige, nach innen gewölbte Mitte einrahmen und den Blick unweigerlich nach oben zum Giebel, dem dreieckigen Dachabschluss, ziehen? Diese architektonische Eleganz wirkt wie ein Symbol für stillen, aber eisernen Halt.
Und diesen Halt brauchten die Nonnen dringend. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts verabschiedete der Staat Gesetze zur Enteignung kirchlicher Güter. Die Schwestern wehrten sich mit aller Kraft gegen den drohenden Verlust ihres Zuhauses, mussten schließlich aber doch weichen. Das Gebäude stand lange leer, bis es 1918 von einem katholischen Orden, den Salesianern, wiedereröffnet wurde. Sie bewahrten so glücklicherweise auch die prachtvollen Fresken des Künstlers Gian Carlo Aliberti im Inneren.
Prägen Sie sich die anmutigen Kurven dieser Fassade noch einmal ein, bevor wir uns auf den Weg zu einer ganz anderen Art von Zufluchtsort machen... der Stadtbibliothek von Cuneo, die nur eine Minute zu Fuß entfernt liegt.



