
Zu Ihrer Rechten erhebt sich nun der monumentale Komplex von San Francesco, ein gewaltiges Bauwerk aus verwittertem Stein und Ziegeln, das durch seinen markanten, spitzen Turm im hinteren Bereich sofort ins Auge fällt. Schauen Sie sich das erste Bild in der App an, um die immense Größe dieser Anlage aus der Ferne zu begreifen.

Heute wirkt dieser Ort wie eine friedliche Festung der Kultur, aber seine Mauern waren Zeugen einer absoluten Entweihung. Jahrhundertelang war dies das spirituelle Herz von Cuneo. Reiche Familien spendeten ein Vermögen für prächtige Fresken, also kunstvolle Wandmalereien, die direkt auf den frischen Putz der Kapellen aufgetragen wurden. Doch im Jahr 1799 änderte sich alles. Die Truppen Napoleons marschierten ein.
Es war ein beispielloser Schock für die Gemeinschaft. Die französischen Soldaten vertrieben die Franziskanermönche mit brutaler Gewalt. Stellen Sie sich die Panik vor, als die Ordensbrüder fliehen mussten, nur mit den Kleidern auf dem Leib und ein paar hastig unter ihren Kutten versteckten Reliquien. Was dann geschah, bricht einem fast das Herz. Die Armee verwandelte dieses heilige Kloster kurzerhand in eine Militärkaserne. Die wunderschönen Seitenkapellen wurden als Pferdeställe und Heulager genutzt. Der Gestank von Tieren und feuchtem Stroh ersetzte den süßen Weihrauch, während angebundene Pferde die meisterhaften Gemälde an den Wänden unwiderbringlich zerkratzten.
Und es kam noch schlimmer. Die Bibliothek des Klosters barg jahrhundertealte Manuskripte und lokale Chroniken. Die frierenden Soldaten nutzten diese unersetzlichen handgeschriebenen Bücher einfach als Brennholz, um sich an den kalten Abenden zu wärmen. Das Flackern dieser brennenden Geschichte war eine beispiellose kulturelle Tragödie für Cuneo.
Doch diese Stadt gibt niemals auf. Nach vielen Jahrzehnten des Verfalls als militärisches Depot kaufte die Gemeinde das Gebäude zurück. In den letzten fünfzehn Jahren wurde der Komplex aufwendig restauriert und in das lebendige Stadtmuseum verwandelt, dessen faszinierende Entwicklung Sie sich auf dem Vorher-Nachher-Bild ansehen können. Den Großteil der heutigen Sammlung verdanken wir dem tapferen Professor Euclide Milano. Während des Zweiten Weltkriegs rettete er die wertvollsten Stücke vor herabfallenden Bomben, indem er sie heimlich in dunklen Höhlen weit vor den Toren der Stadt versteckte.
Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag jeweils am Nachmittag von halb vier bis halb sieben geöffnet, falls Sie später die Ausstellungen erkunden möchten. Wir verlassen nun diese ruhigen Kreuzgänge und machen uns auf den Weg zu unserem letzten Halt, wo die eigentlichen Ursprünge der Stadt geschmiedet wurden, nur drei Gehminuten entfernt an der Kirche Sant'Ambrogio.



