
Suchen Sie zu Ihrer Rechten nach der markanten, nach innen gewölbten Fassade, die mit kunstvoll gemalten, grau und rot marmorierten Flächen verziert ist und ganz oben ein blaues Oval mit einem weißen Kreuz trägt. Diese geschwungene Form ist absolut kein architektonischer Zufall. Die Fassade drückt sich absichtlich von der geraden Straße weg, um einen kleinen, einladenden Vorplatz zu schaffen. Das war eine bewusste, offene Geste der Umarmung.
Denn die Kirche Santa Croce war nicht einfach nur ein Ort zum Beten, sie war das spirituelle Herz eines Krankenhauses. Im Jahr 1708 war das alte Vorgängergebäude an dieser Stelle extrem baufällig geworden und drohte unwiderruflich einzustürzen. Aber die Menschen hier ließen den Verfall nicht einfach geschehen, sie wehrten sich mit all ihrer Kraft gegen die Zerstörung. Zwischen 1709 und 1715 erschufen der geniale Architekt Antonio Bertola und der talentierte Bauleiter Francesco Gallo dieses neue barocke Wunderwerk.
Im Inneren verbirgt sich ein geradezu meisterhafter architektonischer Grundriss aus zwei ineinandergreifenden elliptischen Räumen, ovalen Hallen, die den Suchenden förmlich aufnehmen. Hier wirkte die Confraternita di Santa Croce, deren Mitglieder sich in ihrer freien Zeit der Nächstenliebe verschrieben hatten. Im riesigen Chorraum der Kirche versammelten sich die Mitglieder auf prächtigen barocken Holzbänken, in deren Mitte ein alter gotischer Stuhl aus dem Jahr 1418 stand. Dort planten sie akribisch ihre Hilfsaktionen für die Kranken und Armen der Stadt. Heilung war hier nicht nur eine medizinische, sondern eine zutiefst spirituelle Aufgabe. Die Kunstwerke an den unteren Wänden unterstreichen das eindrucksvoll. Vierzehn Gemälde zeigen die Triumphe des Kreuzes, eine bildliche Darstellung der schützenden Kraft des Glaubens gegen physische Gefahren und Krankheiten.
Wenn Sie direkt in die mächtige Kuppel dieses Bauwerks blicken könnten, würden Sie ein leuchtendes Fresko sehen, das diese heilende Mission perfekt verkörpert. In den weiten Bögen der Decke strahlen die personifizierten Tugenden Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe und Sanftmut auf die Betrachter herab. Diese Tugenden waren der unerschütterliche tägliche Leitfaden für die pflegenden Frauen und Männer. Auch die sogenannten Umiliate, der weibliche Zweig der Bruderschaft, widmeten ihr gesamtes Leben hier der Pflege und fanden Trost in diesen himmlischen Bildern.
Doch das Heilen und ständige Bewahren menschlichen Lebens hatte auch seinen Preis. Die tägliche Konfrontation mit der Sterblichkeit offenbarte die verborgenen Kosten der Hingabe. Für die Begräbnisrituale besaß die Bruderschaft einen eigenen Katafalk. Das ist ein gigantisches hölzernes Gerüst, das bei wichtigen Trauerfeiern in der Mitte der Kirche als beeindruckendes Ehrenmal für den Sarg aufgebaut wurde. Dieses Gestell war atemberaubende zwölf Meter hoch. Ein gewaltiges Monument der Würde, das bis in die Kuppel ragte. Es war ein kraftvolles Statement, dass absolut jedes Leben wertvoll war und vor dem Vergessen bewahrt werden musste, ganz gleich, wie verarmt die Person zu Lebzeiten gewesen war.
Diese Kirche zeugt von einem faszinierenden ständigen Ringen um Erhalt. Wo einst der Einsturz drohte, errichteten die Bürger ein dauerhaftes Heiligtum der Rettung. Nehmen Sie die strahlenden Tugenden aus der Kuppel in Ihren Gedanken mit, während wir uns nun einem monumentalen Komplex nähern, der von den tiefen Narben des Krieges gezeichnet ist. Gehen wir weiter zum Monumentalen Komplex von San Francesco, der nur etwa drei Gehminuten entfernt liegt.



