
Wenn Sie einen Blick in das Innere erhaschen, sehen Sie geschwungene, helle Stuckwände, die von einem großen Bogenfenster mit Gitterstruktur und einem verblassten Prophetenfresko in einer Nische geprägt sind. Dies war einst die Kirche San Giovanni Decollato, ein Zufluchtsort, der ganz bewusst direkt neben den ehemaligen Galgen der Stadt errichtet wurde.
Sie wurde 1595 von der Confraternita della Misericordia gegründet. Ihre Mission war tiefgründig und schwer. Sie standen den zum Tode Verurteilten und ihren verarmten Familien in ihren absolut dunkelsten Stunden bei.
Doch dieser Ort der Barmherzigkeit wurde grausam zweckentfremdet. Im Jahr 1801, während der französischen Unterdrückung religiöser Orden, beschlagnahmte die Besatzungsmacht das gesamte Gebäude. Der Altarraum, der einst von leisen Gebeten für die Verlorenen erfüllt war, wurde kurzerhand zu einem Militärtribunal umfunktioniert. Die bittere Ironie ist kaum zu fassen. Ein Heiligtum, das geschaffen wurde, um Verurteilte zu trösten, wurde zu genau dem Ort, an dem Männer verurteilt wurden.
Im Laufe der Zeit riss man der Kirche fast ihr gesamtes historisches Gesicht ab. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die barocke Fassade gnadenlos zerstört, um einfach ein weiteres Stockwerk aufzusetzen. Und im Jahr 1984 stürzte nach einem massiven Schneefall das komplette Gewölbe ein.
Trotz dieser enormen Verluste klammert sich der Raum an seine Geschichte. Einige wenige Fresken an den Wänden des Presbyteriums - dem ursprünglich für den Klerus reservierten Bereich um den Altar - haben wundersamerweise überlebt. Heute dient der Saal der Kunst und der Musik.
Die Echos der Verurteilten verblassen nun langsam, während wir uns zu einem Ort bewegen, der ganz der Heilung gewidmet ist - der Kirche Santa Croce, die nur zwei Gehminuten entfernt liegt.



