Vor dir erstreckt sich eine ruhige, gepflasterte Straße mit eleganten, blassgelben Stadthäusern auf der linken Seite - halte einfach Ausschau nach den schicken Fassaden und den parkenden Autos am rechten Straßenrand.
Willkommen in der Rue de la Palestine! Du stehst jetzt an einer Straße, die nicht nur einen ganz besonderen Namen trägt, sondern auch voller kleiner Geheimnisse steckt. Atme tief ein - riechst du das? Vielleicht ein Hauch von frisch gemähtem Rasen aus dem nahen Parc du Thabor oder das leise Knarren alter Haustüren, als wollten die Häuser dir Geschichten zuflüstern. Es fühlt sich hier ein bisschen an, als spazierte man durch einen Roman, oder? Aber Achtung, hier spuken eher Geschichten und weniger Gespenster.
Diese Straße verbindet heute die Avenue de Grignan mit dem Boulevard de Metz und grenzt bei einem Drittel ihrer Länge direkt an die hohe Mauer des herrlichen Thabor-Parks. Im 19. Jahrhundert hat sich hier einiges getan: Damals hat der Stadtrat entschieden, dass die Straße bis zum Boulevard de la Duchesse Anne verlängert wird - und damit wurde sie ein echtes Verbindungsstück im Stadtbild.
Ihr Name klingt, als wäre er aus „1001 Nacht“ geklaut. Tatsächlich kommt er aber von zwei Landhäusern, die „la grande et la petite Palestine“ hießen - damals noch am Ende der Straße gelegen. Doch warum „Palästina“? Die Mönche der nahegelegenen Benediktinerabtei Saint-Melaine hatten offenbar eine Vorliebe für Bibelgeschichten und haben den Namen schon im 17. Jahrhundert auf verschiedene Grundstücke verteilt. Man stelle sich das vor: Man schlendert von Haus zu Haus und jeder Gartenzaun trägt einen Hauch Heiliges Land.
Früher hieß die Straße Rue du Thabor, aber ab 1813 taucht sie als Ruelle de la Palestine in den alten Karten auf - und durch zahlreiche Umbauten und kleine Knicke im Verlauf bekam sie ihr heutiges, charmantes Aussehen.
Und wenn du gleich weitergehst, kannst du auf der linken Straßenseite so einige stolze Stadthäuser entdecken: Beim Hôtel de la Vicomté an Nummer 3, mit seinen Renaissance-Anklängen, fühlte man sich früher wie ein echter Adliger. Vielleicht kommen deshalb die Mülltonnen da vorne immer so majestätisch daher. Am Ende der Straße, bei der Villa Palestine, wartet noch ein letzter Gruß aus alten Tagen - also einmal umdrehen und winken nicht vergessen! Bereit für das nächste Abenteuer?




