Vor dir erhebt sich ein elegantes, langgestrecktes Gebäude mit vielen hohen, weißen Fenstern, einem klassischen, dunklen Dach und reich verzierten Giebeln an beiden Enden - halte Ausschau auf der gepflasterten Fläche, dort findest du den Palast.
Stell dir vor, du stehst im 17. Jahrhundert, und vor dir wird gerade Stein auf Stein gesetzt - nicht etwa für ein gewöhnliches Haus, nein, für das prächtige Palais Saint-Melaine! Hier, am Rande des heutigen Thabor-Parks, flüsterten einst die Bauleute über die Mächtigen von Rennes und munkelten, welcher Abt wohl als nächster das luxuriöse Leben genießen dürfte. 1666 war es dann soweit: Aus einem einfachen Palast wurde ein echtes Herrenhaus für die Äbte - klar, die wollten schließlich nicht im Zelt übernachten!
Später, im Jahr 1720, war noch eine kleine Erweiterung fällig, damit die Bewohner ein bisschen mehr Ruhe hatten, denn, mal ehrlich, wer möchte schon direkt an der Straße wohnen und dem Lärm der Pferdekutschen lauschen? Um 1770 bekam das Gebäude dann das elegante Aussehen, das du heute siehst. Was du dir kaum vorstellen kannst: Hinter diesen Fensterreihen lebte damals François Bareau de Girac, der sich hier ein kleines Paradies schuf.
Aber Schluss mit der Ruhe - ab 1840 raschelten statt liturgischer Gewänder plötzlich Bücherseiten, denn das Gebäude wurde zum Museum für Naturgeschichte und Kunst. Und wenn du ganz genau hinhörst, meinst du vielleicht noch, den Flügelschlag einer längst ausgestorbenen Art zu vernehmen, während ein Professor sich fragt: Ist das nun ein Fossil oder mein altes Pausenbrot?
Im 20. Jahrhundert war hier keine Langeweile angesagt - erst stapelten angehende Juristen ihre Gesetzesbücher zur Decke, dann, im Ersten Weltkrieg, wurde das Palais zum Krankenhaus und zeugte von Geschichten voller Hoffnung, Mut und Genesung.
Und als wäre das alles nicht schon spannend genug, wohnten zwischen 1979 und 2019 die wichtigsten Schulchefs der ganzen Region hier. Heute steht das Palais leer und wartet gespannt darauf, was wohl als Nächstes passiert. Vielleicht machst du ja die nächste große Entdeckung - aber bitte nicht ins Museum stecken, Andreas würde dich vermissen!



