Direkt vor Ihnen sehen Sie ein großes, elegantes Stadthaus mit einem auffällig verzierten Eck-Erker und vielen hohen Fenstern - halten Sie Ausschau nach dem grauen Gebäude, das den kleinen Platz überblickt und durch seinen charmanten Altstadt-Flair besticht.
Stellen Sie sich vor, wie Sie jetzt im 18. Jahrhundert vor dem Hôtel de Cuillé stehen - die Pferdekutschen rumpeln über das Kopfsteinpflaster, Dienstboten huschen an Ihnen vorbei, und im Inneren herrscht ein reges Treiben. Dieses stattliche Haus gehörte einst der wohlhabenden Familie Renouard de Villayer, bevor es von der Familie de Farcy de Cuillé übernommen und großzügig umgebaut wurde. Schon damals hätte man vielleicht ein Fernglas gebraucht, um all die architektonischen Details dieser beeindruckenden Fassade richtig zu bewundern.
Doch das Hôtel de Cuillé ist mehr als nur eine schicke Adresse - es ist Schauplatz eines wahren politischen Dramas. Im Jahr 1788, als die französischen Königstreuen und Rebellen sich in den Haaren lagen (und das manchmal nicht nur im übertragenen Sinne), griff ein gewisser Jacques Gabriel Annibal de Farcy beherzt ein. Stellen Sie sich vor, wie plötzlich Soldaten durch die Straßen marschieren, der Puls der Stadt schneller schlägt, weil der König dem Parlament von der Bretagne verbietet, weiter zu tagen. Die armen, rausgeschmissenen Ratsmitglieder stehen nun frierend und empört draußen - was tun? Da öffnet sich gastfreundlich das Tor des Hôtel de Cuillé. Annibal de Farcy lädt mutig das ganze Parlament in sein Wohnzimmer ein - vielleicht gab es damals sogar ein paar diskrete Snacks und heiße Schokolade dazu. Wer weiß, ob im großen Salon darüber hitzig gestritten oder heimlich gelacht wurde?
Heute können Sie sich das alles lebhaft vorstellen, während Sie an den kunstvollen Fassaden und Fenstern vorbeischlendern. Wenn Sie genau hinhören, scheint es fast, als ob das Flüstern der historischen Gespräche noch in der Luft liegt. Besonders das prunkvolle Treppenhaus mit seiner geschmiedeten Rampe - das übrigens unter Denkmalschutz steht - erzählt von all den Füßen, die nervös auf und ab gehuscht sind. Und wer weiß: Vielleicht schauen Sie gerade durch genau das Fenster, hinter dem einst über das Schicksal der Bretagne entschieden wurde.




