Schau nach vorn: Da steht ein großer, ziemlich furchteinflößender Löwe aus Bronze, mit Flügeln, die so wirken, als könnte er gleich losstarten. Er thront auf einem runden Sockel aus Granit und Beton, verkleidet mit Metallplatten. Hinter ihm liegen Parkbänke und Weidenbäume, als hätte man dem Biest extra ein ruhiges Publikum hingestellt. Du kannst ihn kaum übersehen, er brüllt förmlich in den Park hinein.
Wenn du jetzt davorstehst, stell dir vor, du bist in ein Märchen geraten, nur dass hier nichts geschniegelt und harmlos ist. Dieser Löwe ist rund zwei Meter hoch und steht auf einem kreisförmigen Podest, das ein bisschen aussieht wie das Heck eines alten Flugzeugtriebwerks aus einem Kriegsfilm. Und das ist kein Zufall: Dieses Denkmal ist ein Stück Luftfahrtgeschichte zum Anfassen, auch wenn man natürlich nur mit den Augen anfassen sollte.
Warum ein geflügelter Löwe? Weil er für Freiheit steht und zugleich das Abzeichen der tschechischen Luftwaffe symbolisiert. Schau dir den Sockel an: Diese Nietenreihen erinnern an Flugzeugrümpfe, ganz wie bei den berühmten Spitfires der R-A-F, also der Royal Air Force, der britischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. In den Platten und im Stein findest du die Namen aller Tschechoslowakinnen und Tschechoslowaken, die in der Royal Air Force dienten: zweitausendfünfhundertsieben Männer und Frauen. Jede Zeile ein eigenes Leben, oft eine ziemlich harte Geschichte.
Denk an das Jahr neunzehnhundertvierzig: Über London heulen Motoren, deutsche Bomber, Abfangjäger, Chaos in der Luft. Mitten drin auch Tschechen und Slowaken. Nachdem ihre Heimat von den Nazis überrannt worden war, haben viele nicht aufgegeben, sondern sind über Grenzen und Meere geflohen, um in britischen Uniformen in der Schlacht um England zu kämpfen und später weitere Einsätze zu fliegen. Und glaub mir: Im Cockpit, also der Pilotenkanzel, hört man in solchen Momenten vermutlich nur das Zischen der Maschinen und das harte Rattern der Bordwaffen.
Nicht alle waren waghalsige Piloten. Viele hielten die Flugzeuge überhaupt erst am Laufen: Mechanikerinnen und Mechaniker, Organisatoren, Leute, die zwischen Einheiten übersetzten. Hände voller Schmierfett, Mut fest eingenäht. Etwa ein Fünftel kehrte nicht zurück.
Und für manche, die heimkamen, wurde es später bitter: Nach der Machtübernahme des kommunistischen Regimes ab neunzehnhundertachtundvierzig galten ehemalige R-A-F-Kämpfer plötzlich als verdächtig oder sogar als Verräter. Diese Ungerechtigkeit brauchte Jahrzehnte, bis sie sich langsam auflöste.
Dieses Denkmal ist deshalb nicht einfach Bronze auf Stein, sondern ein großes Dankeschön der britischen Gemeinschaft an die Tschechen und Slowaken, die gegen Tyrannei standen. Enthüllt wurde es im Jahr zweitausendvierzehn, mit Musik der Kapelle des Royal Air Force College, mit Trommeln der Queen’s Royal Hussars, mit Reden und Würdenträgern. Und dann, als Krönung, flog eine Spitfire über Prag hinweg, der Motorenklang wie ein Salut an die Helden unter ihr.
Ein paar Leute haben über den Standort gemurrt, wie das eben so ist. Aber mal ehrlich: Ein Löwe, der für Freiheit steht, darf ruhig ein bisschen brüllen. Manche Erinnerungen brauchen Flügel.



