Wenn du den Morzin-Palast finden willst, ist das ganz einfach: Schau nach dem cremefarbenen Barockbau mit zwei riesigen Steinfiguren, die am Portal so wirken, als müssten sie das ganze Haus schultern. Darüber hängen zwei bunte Flaggen, und darunter wartet eine große Holztür, die schon beim Anblick „wichtige Leute“ ruft.
Stell dir Prag am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts vor: Kopfsteinpflaster, Gerüchte über Adelsfamilien und Architekten, die angeblich mehr Geheimnisse als Baupläne hatten. Wo jetzt der Palast steht, war früher ein Flickenteppich aus älteren Stadthäusern, bis Maximilian von Wallenstein das Ganze im Jahr sechzehnhundertachtundsechzig verkaufte. Dann kam die Familie Morzin und dachte sich: Wenn schon, denn schon. Václav Morzin holte den berühmten Architekten Jan Blažej Santini-Aichel. Ein Jahr später war der Palast fertig.
Der Witz steckt am Eingang: Zwei Säulen sind als angekettete Mohren dargestellt. „Mohr“ ist eine historische Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen, und hier ist es ein Wortspiel auf „Morzin“. Heute wird hier nicht mehr gefeiert wie beim Adel, sondern diplomatisch gearbeitet: Das Gebäude ist die Botschaft von Rumänien. Und diese Steinriesen? Die tragen das Schauspiel seit über dreihundert Jahren.



