Um die Brücken über die Čertovka zu finden, schauen Sie einfach geradeaus: Eine eher schlichte Brücke mit kunstvollem Metallgeländer, darunter ein ruhiger Wasserlauf, eingerahmt von alten Häusern. Die versteckt sich nicht gerade.
Willkommen bei einem von Prags kleinen Geheimtipps: den Brücken über die Čertovka. Die Einheimischen nennen sie gern den Teufelsbach. Keine Sorge, hier springt Ihnen nichts Gehörntes aus dem Wasser entgegen. Das einzig Teuflische ist, wie schnell man sich in diese Ecke verliebt. Unter Ihren Füßen schlängelt sich der Kanal wie ein dunkles Band durch Kampa und trägt eine Menge Geschichten mit sich, von Handwerkern, Nachbarn und ein paar Legenden, die garantiert mit einem Augenzwinkern weitererzählt wurden.
Früher hatten die Leute hier richtig große Pläne. Manche träumten sogar von einer breiten Prachtstraße quer über Kampa. Gegen Ende der achtzehnhundert Jahre wollte der Geschäftsmann Jindřich Jechenthal das Malostranské Ufer über den Kanal hinweg verlängern. Und Stadtpläne aus dem Jahr neunzehnhundertzehn griffen dieselbe Idee wieder auf. Zum Glück für alle, die gern zu Fuß unterwegs sind und für Romantiker im Allgemeinen: Es blieb beim Papier. Dafür können Sie dem „Klub für das alte Prag“ danken. Das waren so etwas wie die stadtverliebten Wachhunde der Geschichte, die dafür kämpften, dass Kampa seinen Charme behält und die Čertovka nicht einfach zugeschüttet wird. Man stellt sich die Debatten herrlich vor: ernste Mienen, viel Kaffee, große Gesten und das Gefühl, als hinge die Seele der Stadt daran.
Schauen Sie sich das Geländer an und denken Sie daran: Hier gibt es nicht nur eine Brücke. Jede hat ihren eigenen Charakter. Da ist zum Beispiel der hölzerne Steg zur Huť-Mühle. Der knarzt so schön, als würde er Ihnen die Geheimnisse alter Müller zuflüstern. Dann gibt es die kleine Restaurantbrücke, ein einzelner Bogen mit farbigen Schlusssteinen. Ein Schlussstein ist der keilförmige Stein ganz oben im Bogen, der alles zusammenhält. Über diese Brücke eilten Gäste früher mit knurrendem Magen zum Essen, das sich gleich hinter der Čertovka versteckte.
Der Star ist aber die „Liebesbrücke“ bei der Velkopřevorský-Mühle. Sie erkennen sie an den Liebesschlössern. Angeblich inspiriert von der Milvischen Brücke in Italien, wo die Geschichte um den heiligen Valentin ein ziemlich dramatisches Ende nahm. Paare ritzen Namen ins Schloss, hängen es ans Geländer und werfen den Schlüssel ins Wasser. Romantisch für die einen, eine Dauerbaustelle im Herzen für städtische Ingenieure.
Und während unten Schwäne und Enten gemächlich vorbeiziehen und vermutlich über das menschliche Geknutsche schmunzeln, hören Sie vielleicht im Kopf alte Schritte und Gelächter. Werfen Sie noch einen Blick ins Wasser. Nur für den Fall, dass doch irgendwo ein kleines teuflisches Schwänzchen um die nächste Biegung verschwindet. Weiter geht’s. Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, schreiben Sie mir im Chat: südliche Brücke, zweite Brücke oder die beim großen Prioratsmühlengebäude.



