Vor dir steht ein stattliches, cremegelbes Haus, das sich geschniegelt gibt: zwei dunkle, steil ansteigende Schieferdächer, oben drauf grüne Medaillons wie kleine, verspielte Abzeichen. Orientier dich an der lebhaften Ecke mit den roten Markisen über dem Café, direkt neben den Straßenbahngleisen. Wenn du hier wartest, fühlst du dich fast automatisch wie Teil einer Szene.
Du bist nämlich vor der Akademie der Darstellenden Künste in Prag, kurz A-M-U. Gegründet wurde sie gleich nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig. Seitdem ist hier mehr Theater, Musik, Tanz und Kamera-Action durchgezogen als in einer ganzen Streaming-Mediathek. Eine Legende erzählt, dass Künstler und Schriftsteller die Idee zur Schule schon ausbrüteten, als Prag noch im Nachkrieg nach Aufbruch klang. Statt einer braven, einschläfernden Institution entstand eine Akademie für Mutige, Ausdrucksstarke und ja, auch für Menschen mit Hang zur großen Geste.
Heute laufen hier über eintausendfünfhundert Studierende herum, betreut von dreihundertfünfzig Lehrenden sowie Forschenden. Es ist die größte Kunsthochschule Tschechiens. Und sie hat drei Hauptbereiche, wie eine Torte mit drei Schichten: F-A-M-U, die Film- und Fernsehfakultät, wo man Regie, Kamera, Schnitt und Drehbuch lernt, also alles, was einen Film wirklich zusammenhält. H-A-M-U ist für Musik und Tanz, da wird geprobt, komponiert und gesprungen, als hätten Tauben auf dem Altstädter Ring Konkurrenz bekommen. Und D-A-M-U ist die Theaterfakultät, eine echte Star-Schmiede fürs Schauspiel.
Hinter der repräsentativen Fassade geht es weiter: Probenstudios, Fotolabore, Konzertsäle und ein großer Saal, der dem Komponisten Bohuslav Martinů gewidmet ist. „Labor“ heißt hier übrigens nicht Reagenzglas, sondern Technikräume, in denen Fotografien entwickelt und bearbeitet werden.
Besonders berühmt wurde F-A-M-U, als Film und Fernsehen in Europa richtig Fahrt aufnahmen. Hier sammelten Köpfe der Tschechoslowakischen Neuen Welle ihre Ideen, darunter Miloš Forman und Jiří Menzel, lange bevor die große Leinwand rief.
Und geschniegelt heißt nicht langweilig: Experimente im D-I-S-K-Theater, Debatten im Sprachenzentrum, Festivals wie Skrznaskrz, wo die Künste zusammenprallen. Sogar Norodom Sihamoni, der König von Kambodscha, hat hier studiert. Königlicher geht’s kaum.
Dazu kommen Trainingszentren am Fluss in Poněšice und kreative Rückzugsorte in Beroun. Und die Bibliothek? Über einhundertachtzigtausend Medien, von Büchern über D-V-D-s bis zu raren Aufnahmen. Tipp von Andy: Bibliotheksausweis gut festhalten, sonst wird’s dramatischer als jede Abschlussprüfung.
Wenn du gleich unter den roten Markisen einen Kaffee nimmst, sitzt du möglicherweise neben zukünftigen Oscar-Gewinnern, Ballettwundern und Soundtrack-Komponisten. Wenn du mehr zu Fakultäten, Studium oder Einrichtungen wissen willst, geh einfach in den Chatbereich der App und frag nach.



